Gründung Arbeitskreis Biomasse

Energie aus Biomasse ja – aber in verträglichem Umfang

Die Mitglieder des Arbeitskreises Biomasse beim Kreis Eichstätt einigten sich auf ihrer Gründungsveranstaltung zu nachhaltigen Zielen

Der Arbeitskreis „Biomasse“ des Kreis Eichstätt (www.eb-ei.de) füllt sich jetzt neben den Arbeitskreisen Solarenergie und Windenergie auch mit Leben.


Dass Energie aus nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRo) sich in einem besonders spannungsreichen Gebiet bewegt, stellten alle Teilnehmer der Gründungsveranstaltung fest. Zwischen der „Teller-Tank-Diskussion“, dem zunehmenden Interesse der Industrie an Rohstoffen aus natürlichen, nachwachsenden Quellen und dem Natur- und Bodenschutz findet sich die Energiegewinnung in Biomasseanlagen. Diese Belange in ihrer gesamten Komplexizität müssten auch bei der Bestrebung berücksichtigt werden, den Landkreis energieautark zu machen, so die einstimmige Meinung der Beteiligten.

Die Mitglieder des Arbeitskreis Biomasse: Michael Strixner, Peter Ritter, Dr. Elisabeth Müller, Andreas Bergmeister, Andreas Hutter (v.l.n.r.)

Zum Auftakt der Gründungsveranstaltung wartete Andreas Bergmeister als Betreiber der Biogasanlage Gaimersheim mit geballtem Wissen auf.
„Biogas unterliegt im Prinzip dem gleichen Entstehungsprozess wie Erdgas, nur eben im Zeitraffer – und zwar in ungefährt 90 Tagen. Und in einer Biogasanlage arbeiten die gleichen Bakterien wie einem Kuhdarm. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: die Biogasanlage bläst das Methangas nicht wie der Kuhdarm klimaschädlich in die Atmosphäre, sondern wandelt es meist durch einen nachgeschalteter Motor direkt in Strom und Wärme um“, schildert Bergmeister anschaulich das Prinzip. In großen Biogasanlagen werde das Methan dann üblicherweise von den übrigen Gasen getrennt und ins Erdgasnetzt eingespeist, so Bergmeister weiter. Dass das nicht nur für die Energieerzeugung Sinn macht, sondern auch dem Klima guttut, zeigt sich daran, dass Methan 21 mal so klimawirksam ist wie Kohlendioxid.
Jedoch zeichnet sich beim neuen Erneuerbaren Energien Gesetz eine Wende ab. So wurden bisher eher kleine und mittlere Anlagen gefördert. Seit 2012 legt der Staat aber den Schwerpunkt auf Großanlagen. Großanlagen würden allerdings weniger Abfälle aus der Tierhaltung wie Gülle mitverarbeiten, sondern nur NaWaRo, die dann aus einem großem Umkreis herangefahren werden müssten. Damit sei der Hebel, Reststoffe wie Gülle zu verwerten und dem Kreislauf als hochwertigen, grundwasserschonenden Dünger zurückzuführen genauso weggefallen wie die Regionalität zu stärken, kritisiert der Anlagenbetreiber.

Ein weiterer Punkt war die „Vermaisung“ der Landschaft. Diese müsse zwar ernst genommen werden, sei aber für unseren Landkreis kein Thema, sagte Andreas Hutter, Biobauer aus Adelschlag. „Zur Zeit wird hier mehr Raps zur Treibstofferzeugung als Mais für Biogasanlagen angebaut, es gibt nicht mal 20 Biogasanlagen bei uns. Anders sieht die Situation da schon in der Ansbacher Gegend mit 68 Biogasanlagen aus.“ Außerdem gibt es vielversprechende Ansätze neben Mais andere Energiepflanzen für Biogasanlagen anzubauen. Und Potential Reststoffe aus der Tiermast zu verwenden bestehe zuhauf, ergänzt Hutter.

Grundlegend wichtig für die gesamte Diskussion um NaWaRo ist die Bodenfruchtbarkeit und der Humusanteil des Bodens. Durch die intensive Landwirtschaft geht weltweit mehr und mehr Humus verloren, der Boden wird immer unfruchtbarer und benötigt ständig mehr Dünger. Dem gilt entgegenzuwirken, damit eine gesunde und stabile Grundlage nicht nur für unsere Ernährung, sondern auch für nachwachsende Rohstoffe jeglicher Art vorhanden ist. Dr. Elisabeth Müller, hebt in diesem Zusammenhang Terra Preta hervor, die Schwarzerde der Inka – fruchtbarste Erde inmitten des Amazonas von Menschenhand geschaffen, die auch als das wahre Gold der Inka bezeichnet wird. Die Ärztin praktiziert schon seit Jahren diese Methode mit großem Erfolg in ihrem Garten. „Nicht nur Gärreste aus der Biogasherstellung können so weiter aufgewertet werden und als hervorragenden Dünger, Kohlendioxidspeicher und zum Humusaufbau dienen, sondern alle Arten organischer Reststoffe aus der Landwirtschaft und den Kommunen“, so Müller. Diese Aufwertung von organischen Reststoffen entspricht dem „Cradle to Cradle-Ansatz“: von der Wiege zur Wiege. Oder auch: des Einen Abfall – des Anderen wertvolle Nahrung.

Michael Strixner, Bereichsleiter Forsten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Eichstätt, schilderte im Anschluss zahlreiche Fakten zum Thema Holz. „Holz ist oft einfach zu schade direkt verbrannt zu werden. Vielmehr ist es sinnvoll den Rohstoff in einer Kaskade zu nutzen: erst als Massivbaustoff, dann als Pressspan, Dämmstoff oder Papier und dann erst zur Energieerzeugung.“ So kann Holz voll seine Vorteile ausspielen: Entzug von Kohlendioxid aus der Atmosphäre, Speicherung des Kohlendioxids über einen längeren Zeitraum und beste Dämmeigenschaften. Es ersetzt sowohl energieintensive Baustoffe wie Zement als auch fossile Brennstoffe. Deutschland könne allein 25 Prozent seiner Zusagen aus dem Kyoto-Protokoll erfüllen, wenn zehn Prozent der Gebäude aus Holz gebaut würden, beschreibt Strixner das Potential. Die stoffliche Verwendung von Holz ist in Deutschland im Gegensatz zu Finnland und Österreich noch sehr niedrig. Gerade auch bei der energetischen Sanierung von Altbauten, beim Erweitern und Aufstocken von bereits bestehenden Gebäuden und auch im kommunalen Bereich bieten sich vielfältige und sinnvolle Möglichkeiten.
Strixner berichtete: „Der Landkreis Eichstätt hat knapp 50.000 Hektar Wald mit sehr guten Zuwachsraten – zehn Kubikmeter pro Hektar und Jahr.“ Das entsprächen mehr als 400.000 Kubikmeter Holz pro Jahr, die dann auch zusätzlich genutzt werden könnten, so Strixner. Dem allerdings steht als Wermutstropfen ein Vitalitätsverlust der Wälder durch den Klimawandel gegenüber. So ist es besonders wichtig Mischwälder zu pflanzen, auch um die Schädlinge einigermaßen in Schach zu halten.
Kurzumtriebsplantagen, um Hackschnitzel zu erzeugen, schneiden zwar günstig in Sachen Energieerzeugung, Boden- und Grundwasserschutz ab, sind aber im Landkreis Eichstätt nur bedingt möglich, da sie feuchte Standorte bevorzugen. „Von denen gibt es leider nicht so viele im Landkreis“, gibt der Fachmann zu bedenken.

Ziel des Arbeitskreises wird es sein kleine und mittlere Biogasanlagen zu unterstützen, die neben der Vergärung nachwachsender Rohstoffen auch Reststoffe aus der Tierhaltung, Haushalten und Grünschnitt verarbeiten können. Ganz klar ist auch, dass das Material dafür aus der näheren Umgebung kommen sollte, damit kein „Tourismus“ in Sachen NaWaRo entsteht. Der AK Biomasse will den Blick für die Bodenfruchtbarkeit und für die stoffliche und effiziente energetische Nutzung von Holz im Landkreis schärfen und Umsetzungen dazu anschieben. Wertschöpfung im Landkreis lassen und externe Investoren außen vor lassen ist auch in Sachen Biomasse, wie in den anderen Bereichen Windkraft und Solarenergie, im Kreis Eichstätt ein erklärtes Ziel.

Energie aus Biomasse ja – aber in verträglichem Umfang, so die Quintessenz der Gründungsveranstaltung.